| |
Seit mehr als zehn Jahren hat eine Unzahl von Physikern diese Fragen untersucht
und die ursprüngli- che Idee weiterentwickelt. Die Geschichte hat zwar noch
eine Menge Haken, und es sind noch viele Einzelheiten zu klären, auf die
wir später noch eingehen werden, die wichtigste Botschaft ist aber –
ganz grob gesprochen – sehr einfach: Der eigenartige und äußerst
instabil organisierte kritische Zu- stand scheint auf der Welt universell verbreitet
zu sein. Forscher haben seine (mathematischen) Spuren in den letzten Jahren nicht
nur in den Umwälzungen gefunden, die wir schon diskutiert haben, sondern
auch bei der Ausbreitung von Epidemien, dem Entstehen von Verkehrsstaus, der Art
und Weise, wie Anweisungen des Managements in einer Firma die Mitarbeiter im Büro
erreichen, und dergleichen mehr. Im Mittelpunkt steht die Entdeckung, dass Systeme
aus allen möglichen »Bestandteilen« – aus Ato- men, Molekülen,
Pflanzen- und Tierarten, Menschen und sogar Ideen – eine sehr ausgeprägte
Tendenz haben, sich in gleicher Weise zu organisieren. Mit der Erkenntnis dieser
Universalität beginnen nun mehr und mehr Wissenschaftler, den Hintergrund
turbulenter Ereignisse aller Art zu untersuchen, und entdecken dabei bestimmte
Muster in Zusammenhängen, wo sie sie vorher nie vermutet hatten.
Diese Entdeckung hat Folgen, aber bevor wir uns diesen zuwenden können,
müssen wir zunächst klären, was man genau unter einem kritischen
Zustand versteht – und was nicht.
|
| |
|
|